KiöR NÖ, Schlosspark Grafenegg (A)

14. 05. – 30. 10. 2017
Gruppenausstellung
COUNTERPOINTS Kunst im Park 2017
kuratiert von Cornelia Offergeld

 

 

 

 

 

 

 

 

Franz Kapfer inszeniert sein Installationen-Ensemble wie ein Theaterstück in drei Akten – „ein Lustspiel“ sagt er. Doch das ist eine von Kapfers geschickten Täuschungen. Wie Georg Büchner in „Leonce und Lena“ (1836) verknüpft er Elemente der romantischen Komödie mit jener der politischen Satire. Drei große Bildtafeln sind wie Bühnenbilder für die jeweiligen Akte im Park verteilt. Grundlagen für die Motive sind politische Karikaturen aus dem 19. Jahrhundert, in dem auch der Umbau des Schlosses Grafenegg zu seiner heutigen Form im Stil des romantischen

Historismus erfolgte.

Wir lernen, dass das 19. Jahrhundert für den gebildeten Leser ein beißende Statire bereit hielt: Der erste Akt ist Napoleons Abdankung und Verbannung 1814 nach Elba gewidmet. Napoleon sitzt rittlings auf einem Esel und schaut noch einmal in Richtung Fontainebleau, während dem Tier buchstäblich die Weisheit aus dem Hintern entfährt, dass auch die größten Erfolge im menschlichen Leben irgendwann zu einem Lufthauch („to a puff“) werden. Vor der Bildtafel hat der Künstler einen Wegweiser angebracht, der nur zwei Möglichkeiten bietet. In zwei gegenüberliegende Richtungen zeigend, können Fontainebleau und Elba stellvertretend für die Extreme gesehen werden, zwischen denen Napoleon sich bewegte. Doch wenn Franz Kapfer von der „Farce der Wiederholung“[1] spricht, bezieht er sich nicht nur auf Napoleons zweimalige Niederlage. Die geschichtlichen Ereignisse bilden in Kapfers Arbeiten nur die Kulisse für das „menschliche Drama“ an sich. Napoleons Scheitern verbindet er mit der Erkenntnis von der „Banalität und Farce der eigenen Existenz“.

Weiter hinten im Park sieht man den noch am selben Abend des Ausbruchs der Revolution eiligst mit dem Staatsvertrag unter dem Arm nach London flüchtenden österreichische Staatskanzler Fürst Metternich. Der Zeichner hielt die Situation am Folgetag fest, wobei er dem Kanzler eine eindeutig überlange Nase zudachte. Der Originaltitel der Karikatur lautet wie lakonisch-satirisch: „Jede Constitution erfordert Bewegung / den 14. März 1848“. Metternich stehe für ein System, das unter anderem an seiner Angst vor Veränderung zerbricht, so Kapfer. Im dritten Akt begegnen wir wieder Napoleon. Tief gebeugt muss sich der Kunstliebhaber von der Illusion der „Unsterblichkeit durch Kunstbesitz“ verabschieden und die von ihm geraubte Quadriga des Brandenburger Tors persönlich wieder zurück tragen.

Text: Cornelia Offergeld

[1] „Hegel bemerkte irgendwo, daß alle großen weltgeschichtlichen Tatsachen und Personen sich sozusagen zweimal ereignen. Er hat vergessen, hinzuzufügen: das eine Mal als Tragödie, das andere Mal als Farce.“ Karl Marx: Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte (1852).

 

 

nap_esel_ausschnitt

Kapfer, Mein Drama #1

fk_napoleon_flucht

 

 

 

fk_drama#2

Kapfer, Mein Drama #2

fk_napoleon_raub

 

 

 

 

 

 

 

 

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