Lentos, Linz (A)

26. 10. 2012 – 17. 02. 2013
Gruppenausstellung
Der nackte Mann
Kuratorinnen: Sabine Fellner,  Elisabeth Nowak-Thaller, Stella Rollig

Franz Kapfer, BIG GYM - Römischer Sommer im Foro Italico

 

 

 

 

 

 

Das Foro Italico in Rom, Mussolinis Versuch, an eine als glorreich empfundene Ver-gangenheit anzuknüpfen, bildet Schauplatz und Ressource für Kapfers „BIG GYM – Römischer Sommer im Foro Italico“. Die Arbeit besteht aus zwei Elementen: einer Videodokumentation des Ortes und seines aktuellen Gebrauchs sowie einer Vielzahl kleinformatiger Ansichten des Künstlers in Athletenpose. Antiken Stand-

Franz Kapfer, BIG GYM - Römischer Sommer im Foro Italico

Franz Kapfer, BIG GYM – Römischer Sommer im Foro Italico

 

 

 

 

 

 

 

 

bildern gleich mimt er hier vor einem blauen Paravent die verschiedenen sportlichen Disziplinen. Das Video nähert sich eher leise dem Foro, aus dem uns bald laute Musik entgegenschallt. Untermalt wird dieser flickenhafte Klangteppich durch grelle Pfiffe und die Kommandos der Vorturner, unter deren Regie ein Kollektiv fitnessbewusster Römerinnen und Römer schuftet und schwitzt. Der Volkskörper, der sich hier fit hält, ist, um das gleich zu sagen, nicht der Volkskörper, den Mussolini im Sinn hatte. Es wäre auch zu vorder-gründig, das Schauspiel als bloße Allegorie moderner Macht zu deuten, deren totale Entfaltung auf emsig betriebener (und teuer bezahlter) Selbstoptimierung beruht. Nein, Kapfer weist auf eine Parallele zwischen einer Episode des wahren Lebens und seiner eigenen ästhetischen Strategie. Im gleichen Maße, wie die faschistische Antike ›falsch‹ war, eine psychotische Prätension, ist die aktuelle Indienstnahme des Stadions ›richtig‹. Doch Wertungen vorzunehmen gehört nicht zum Aufgabenbereich des Künstlers Kapfer, der in seiner Wiederbelebung der steinernen Athleten die Synthese von falsch und richtig, von Standbild und Laufmännchen, von universaler Geltung und situativer Behauptung, von Faschimus und Demokratie inszeniert. …

Text: Roger M. Buergel

Roger M. Buergel:
Text zu Franz Kapfer, RMBuergel_Kapfer24-01-03

 

Franz Kapfer, An Druck auf die Eier

Franz Kapfer, An Druck auf die Eier

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Franz Kapfer macht Performances, die körperbezogen sind, aber in einem doppelten Sinn: bezogen auf den eignen Körper und auf den Gesellschaftskörper. Sowohl im Rahmen dieser Performances als auch in ihrer Dokumentation, die nicht bloß Abbild, sondern eigenständiges Medium ist, agiert er Spannungszustände aus, die das Verhältnis von Kör-per und Körper prägen. Bei „An Druck auf die Eier“ dienen ihm Versatzstücke des Wiener Stadtraumes, die sogenannten Radabstreifer, als Prothesen. Diese Radabstreifer aus dem 19. Jahrhundert sind ca. 80 cm hohe, oben leicht abgebogene Säulen aus Gusseisen, die etwa 20 kg wiegen. Schon im Stadtraum selbst empfindet man sie als obszön; ihre Ge-staltung erinnert nicht nur an einen erschlaffenden Penis, sondern drängt diesen Eindruck geradezu auf. (Die Popularisierung der Freud´schen Psychoanalyse hat uns gelehrt, alles was irgendwie phallisch wirkt als Phallus zu identifizieren; die Radabstreifer aber sind es wirklich!). Mit diesem Ding zwischen den Beinen tritt Kapfer auf; er führt eindringlich vor, welche gewaltigen Anstrengungen damit verbunden sind, dieses uralte männliche Missverständnis aufrechtzuerhalten: dass der Penis der Phallus ist.
Text: Roger M. Buergel

 

 

 

 

 

 

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